Von der Praxis zur Theorie – Kaden Verlag

Interview mit Dr. Reinhard Kaden, Gründer und Verleger des Kaden Verlags


Als Dr. Reinhard Kaden den gleichnamigen Fachverlag gründete, hatte er sich zur Aufgabe gemacht, das Wesentliche aus der Praxis der Augenheilkunde für deutschsprachige Ärzte in einem Fachmagazin zu bündeln. Dieses neue Zeitschriftenkonzept des Kaden Verlags überzeugt bis heute und wurde im Laufe der Jahre mit weiteren spezialisierten Zeitschriften, digitalen Angeboten und CME-Fortbildungsmöglichkeiten erweitert.
Im Interview spricht Reinhard Kaden über die neuen Möglichkeiten digitaler Medien.


PressMatrix: Herr Dr. Kaden, können Sie uns zu Beginn den Kaden Verlag und die Magazine „ZPA – Zeitschrift für praktische Augenheilkunde & Augenärztliche Fortbildung“, „OPHTHALMO-CHIRURGIE“ und „CHIRURGISCHE ALLGEMEINE ZEITUNG“ kurz vorstellen?

Reinhard Kaden:Ich habe den Dr. Reinhard Kaden Verlag im Jahr 1980 gegründet, parallel zu meiner damaligen Tätigkeit als niedergelassener Augenarzt mit eigener Praxis in Heidelberg. Mein Motto bei allen Publikationen war immer „Konzentration auf das Wesentliche“. Ich wollte den Lesern ein Medium an die Hand geben, das in erster Linie Fortbildungsbeiträge zum aktuellen Stand des augenärztlichen Wissens bietet – so entstand meine erste Zeitschrift, die „ZPA – Zeitschrift für praktische Augenheilkunde & Augenärztliche Fortbildung“. Neben den Fortbildungsbeiträgen bietet diese Nachrichten, Informationen aus der Berufspolitik, Kongressberichte und seit 2005 auch die für unsere Leser so wichtigen CME-Fortbildungen, in denen die Ärzte die von ihnen benötigten Fortbildungspunkte mittels einer Online-Fortbildung erlangen können.
Da die ZPA extrem gut bei den Augenärzten ankam und Ende der 1980er Jahre das ambulante Operieren in der Augenheilkunde aufkam, stellte sich die Frage, auf diese Fachdisziplin in einer speziellen Zeitschrift einzugehen – so entstand die „OPHTHALMO-CHIRURGIE“, die sich als einzige deutschsprachige Zeitschrift gezielt an operierende Augenärzte wendet. Hier sind ebenfalls die Fortbildungsbeiträge im Vordergrund, ergänzt durch Videobeiträge, Umfragen unter erfahrenen Operateuren, Kongressberichte und vieles mehr.
Im Jahr 2000 erschien im Kaden Verlag erstmals die neugegründete „CHIRURGISCHE ALLGEMEINE ZEITUNG“, mit der unser erfolgreiches Zeitschriftenkonzept auf die Chirurgie aller Fachrichtungen übertragen wurde. Auch hier stehen umfangreiche Fortbildungsbeiträge, CME-Fortbildungen und Kongressberichte im Zentrum, ergänzt mit einer bunten Palette an aktuellen Nachrichten und Berichten sowie einer ausführlichen Rubrik „Personalia“.

PMX: Welche Strategien und Konzepte verfolgen Sie mit den Magazinen?

RK: Wir wollen den Ärzten – unseren Lesern – einen Überblick über die aktuellen Themen in ihrem Fachbereich geben. Sie sollen so die Möglichkeit erhalten, sich regelmäßig informieren und fortbilden zu können. In der Flut an Informationen, die jeden Tag auf die Ärzte einströmen, sehen wir uns als „Vorsortierer“, der einzelne, aktuelle Themen aufgreift und diese informativ und lesefreundlich aufbereitet. Durch die Möglichkeit der Online-Fortbildung in der „ZPA“ und der „CHIRURGISCHEN ALLGEMEINE ZEITUNG“ bieten wir zudem den Lesern die Möglichkeit, ihr durch die Beiträge gewonnenes Wissen auch zielführend in CME-Punkte umzuwandeln, die sie gemäß der Berufsordnung seit 2004 regelmäßig erwerben müssen.

PMX: Wie setzt sich der Inhalt der Magazine zusammen? Gibt es eine feste Redaktion mit Spezialisten oder akquirieren und koordinieren Sie eher externe und Gastautoren?

RK: Die Zeitschrift wird von Augenärzten und Chirurgen für Augenärzte und Chirurgen erstellt. Wir haben eine feste Redaktion vor Ort im Verlag, die für die Anfragen, das Lektorat sowie die Überarbeitung der Beiträge verantwortlich sind, die wir von externen Autoren erhalten. Jede unserer Zeitschriften hat so im Verlag eine spezialisierte Redaktion. Diese wird unterstützt durch externe Schriftleiter, die aus der jeweiligen Fachrichtung stammen. Dies in Kombination mit den Beiträgen, die Ärzte verfassen, die mitten im Berufsleben stehen, garantiert die hohe fachliche Qualität und Aktualität unserer Zeitschriften, die unser Markenzeichen ist.

PMX: Wie sieht der Markt für Fachmagazine heute aus und was denken Sie, wie er sich in den nächsten fünf Jahren entwickelt?

RK: Es wird sicher nicht einfacher. Generell ist das Lesen mittlerweile in seinem Stellenwert ein Stück weit gesunken, was natürlich auch der Vielfalt an neuen Medien geschuldet ist. Gleichzeitig zeigen aber viele Umfragen und Statistiken, dass für die Fachmagazine anderen Gesetze gelten – hier legen die Leser größten Wert auf genaue Recherche, eine hervorragende Arbeit in den Redaktionen und eben nicht schnelles und oberflächliches Halbwissen. Deshalb bin ich mir sicher, dass die Fachmagazine eine gute Zukunft haben. Das zeigt sich auch in den stabilen Abonnentenzahlen bei unseren Zeitschriften. Man muss jedoch die neuen Möglichkeiten einbinden, die die digitalen Medien bieten. So gelingt es, den Lesern genau das Medium anzubieten, das für sie das angenehmste ist.

PMX: Seit 2017 bieten Sie drei der Magazine auch als App an. Was war der Grund für eine digitale Lösung und welche Herausforderungen galt es mit der digitalen Lösung zu überwinden?

RK: Natürlich geht es als Verlag darum, sich immer wieder selbst zu prüfen: Sind unsere Inhalte aktuell, was will die Zielgruppe lesen? Aber es geht auch darum, neue Formen der Darbietung für unsere redaktionellen Inhalte zu entwickeln. Der Wunsch der Leser geht immer mehr in Richtung der digitalen Medien, der Möglichkeit, immer dort und zu dem Zeitpunkt zu lesen, zu dem es gerade passt. Und da ist für manche eben die klassische Form des gedruckten Magazins nicht mehr ausreichend. Hier wollten wir mit der App dem Leser die Möglichkeit geben, unsere Zeitschriften entweder ausschließlich digital zu lesen, eben „nur“ in der App, oder aber eine Ergänzung zur gedruckten Zeitschrift zu schaffen für diejenigen, die gerne beides nutzen wollen.

Kaden Verlag Apps
Alle Zeitschriften des Kaden Verlags bequem in der App lesen: Die „ZPA“ für iOS und Android, die „CHIRURGISCHE ALLGEMEINE Zeitung“ für iOS und Android und die „OPHTHALMO-CHIRURGIE“ für iOS und Android.

PMX: Was sagen Ihre Leser zu den Magazinen? Inwieweit werden diese inhaltlich mit einbezogen?

RK: Leserbriefe treffen bei Fachmagazinen eher selten ein. Leserumfragen führen wir lediglich in größeren Zeitabständen durch. Wir schließen aber aus den stabilen Abonnementzahlen und der Tatsache, dass viele Leser auch nach der Pensionierung ihr Abonnement beibehalten, auf eine positive Resonanz unseres Themenangebotes.

PMX: Welche weiteren Kanäle nutzen Sie, um Inhalte zu veröffentlichen? Verfolgen Sie auf diesen Kanälen verschiedene Strategien?

RK: Neben den Zeitschriften und den Apps nutzen wir natürlich unsere Internetseite, um unseren Lesern aktuelle Nachrichten und Serviceleistungen zu bieten. So steht dort z. B. ein elektronisches Zeitschriftenarchiv zur Verfügung, aus dem – für Abonnenten kostenlos – Beiträge heruntergeladen werden können. Außerdem betreiben wir schon seit längerem eine eigene Facebook-Seite, da wir dort eine jüngere Generation an Ärzten erreichen können und so unsere Reichweite und unseren Bekanntheitsgrad erhöhen. Zusätzlich versenden wir sowohl für die ZPA als auch für die „CHIRURGISCHE ALLGEMEINE ZEITUNG“ einen E-Mail-Newsletter, der sich z. B. mit der ZPA direkt an Assistenzärzte wendet und speziell auf deren Belange ausgerichtet ist.

PMX: Welche Erfahrungen haben Sie im Kaden Verlag bereits im digitalen Publizieren gemacht? Was hat sich bewährt und was nicht?

RK: Wie gesagt – wir haben verschiedene Kanäle, die wir bedienen – unsere Internetseite, in der die Nutzer gezielt Nachrichten lesen können, alle notwendigen Informationen abrufen können, ihre Bestellungen für Abonnements oder Bücher aufgeben und auch die Online-Fortbildungen nutzen können. Das wird gut angenommen. Die Facebook-Seite bietet uns die Möglichkeit, über den eigenen „Tellerrand“ noch weitere Verbreitung zu erlangen und Verbindungen zu Ärzten und Institutionen auf diesem direkten Weg zu schaffen. Zudem hat dieses Medium den Charme, dass wir direkte Reaktionen von den Lesern erhalten, direkt sehen, wer wie auf welchen Beitrag reagiert, ihn „liked“ oder teilt. Die App bietet uns jetzt die Möglichkeit, neben den Inhalten, die auch die Leser der gedruckten Ausgabe erhalten, weitere Ergänzungen aufzunehmen – Links, Videos etc. Das ist ein zusätzlicher Service, der aus unserer Sicht immer wichtiger wird und uns die Möglichkeit gibt, unseren Lesern noch mehr Informationen und Service bieten zu können.

PMX: Vielen Dank für das Interview!



In unserer PressMatrix-Interviewreihe sprechen Verleger, Unternehmer und Experten über das Digital Publishing. Lesen Sie hier mehr über das digitale Publizieren von Fach-, Special-Interest-, Mitarbeiter- und Kundenmagazinen.

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